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Monopolistische Preispolitik verstärkt Chinesische Energiekrise

August 15, 2008

Im 1. Halbjahr 2008 lag in China die Nachfrage nach Strom weiter bei Wachstumsraten von über 10%. In der Sommerhitze, wenn viele Klimaanlagen laufen, ist sie jeweils besonders hoch.

Zu den wichtigsten Ursachen der Energieverschwendung gehört, dass die Preise für Strom immer noch staatlich (und für verschiedene Kategorien von Abnehmern sehr unterschiedlich) festgesetzt werden. Sie setzen nicht nur zu wenig Anreize zum Energiesparen, weil sie zu günstig sind, sondern es kommt immer wieder zu Preisverzerrungen, welche den Energielieferanten jede Motivation zur Produktion nehmen. Die weltweiten Rohstoffpreiserhöhungen und die Schliessung von gefährlichen Kohleminen in China haben seit Jahresanfang zu einem Anstieg der Kohlepreise von bis zu 80 % geführt. Rund drei Viertel aller Elektrizität wird im Reich der Mitte mit Kohle produziert. Je mehr nun die Werke Strom generieren, indem sie frei eingekaufte Kohle verbrennen, umso grösser werden ihre Verluste.

Die chinesischen Behörden haben zwar im Juni einer Strompreiserhöhung von im Schnitt rund 5 % zugestimmt, doch reicht dies lange nicht aus, um den Anstieg der Kohlepreise auszugleichen.

Die Reform- und Entwicklungskommission (das ehemalige Planungsministerium), welche im Wesentlichen für die Energiepreispolitik zuständig ist, hat derweil begonnen, Höchstpreise für Kohlelieferungen an Stromwerke festzusetzen. Wo diese durchgesetzt werden, nehmen sie den Kohleproduzenten die Anreize, Kraftwerke zu beliefern. Prompt mahnt nun die Reform- und Entwicklungskommission, dass bei vielen Stromproduzenten die Kohlevorräte in den letzten Wochen unter ein kritisches Niveau gefallen seien, und hält fest, dass dringend wieder mehr Kohle produziert werden müsse.

Statt das grundsätzliche Energieproblem mit marktwirtschaftlichen Methoden anzugehen, scheinen Chinas Energiepolitiker derzeit trotz allem guten Willen dieses mit willkürlichen, marktwidrigen Massnahmen eher noch zu verschlimmern.

Quelle: NZZ Online, 14.0808